
Schreckensherrschaft der Jakobiner - Robespierre
Frankreich war seit dem Zusammentritt des Nationalkonvents am 29.09.1792 und der Abschaffung des Königtums eine Republik. Doch die Zeit der ersten französischen Republik ist von Aufständen, Unruhen und Machtkämpfen geprägt. Hier klären wir, warum sich die Republik in kürzester Zeit in eine Diktatur umwandelte und was es mit den Jakobinern auf sich hatte. Zudem erfahrt ihr, was mit dem bekannten Zitat „Die Revolution frisst ihre Kinder“ gemeint ist.
Nationale Krise in Frankreich
Wir befinden uns im Frühjahr 1793. Das revolutionäre Frankreich steht vor großen Herausforderungen. Außenpolitisch muss es im Revolutionskrieg gegen Preußen, Österreich und Großbritannien heftige Niederlagen einstecken. Frankreich hatte Österreich am 20. April 1792 den Krieg erklärt und sah sich innerhalb kürzester Zeit einer Allianz vieler europäischer Monarchen gegenüber. Die militärischen Niederlagen Frankreichs sorgten für Unruhe der städtischen Volksmassen, den sogenannten Sansculotten. Noch unzufriedener waren die Bauern, da die anhaltende Kriegswirtschaft die lokalen Industrien geschädigt hatte. Hauptursache war der Wertverfall der französischen Assignaten, dem Papiergeld der Französischen Revolution, der einen Großteil des Wertes verlor. Dadurch war die Landbevölkerung massenweise in extreme Armut gerutscht, welche durch die Bevorteilung reicher Stadtbürger gegenüber der Landbevölkerung noch verstärkt wurde. Die sich steigernde Wut führte zu Aufständen in weiten Teilen West- und Südfrankreichs. Der Höhepunkt war der Aufstand in der Vendée. In diesem rebellierte die katholische Landbevölkerung gegen die Vertreter der Ersten Französischen Republik. Der bewaffnete Kampf kostete 300.000 Menschen das Leben und führte zu einer gezielten Verstörung von Siedlungen und landwirtschaftlichen Flächen. Die außenpolitischen Niederlagen und die innenpolitischen Spannungen in der Stadt und auf dem Land verursachten eine nationale Krise und offenbarten die Schwäche der Regierung. Zu dieser Zeit lag die Regierungsgewalt in den Händen des Nationalkonvents, der durch politische Zerstrittenheit kaum handlungsfähig war.


Revolutionskrieg / 1. Koalitionskrieg


Sansculotten


Revolutionstribunal


Aufstand der Sansculotten
Errichtung des Revolutionstribunals
Im Konvent standen sich radikale Jakobiner und Girondisten gegenüber. Hauptstreitpunkt war der Umgang mit der starken Inflation, die sich im Wertverfall der Assignaten widerspiegelte. Dadurch war es in der Bevölkerung zu Geschäftsstürmungen und eigenmächtigen Preisfestsetzungen gekommen und die Rufe nach staatlicher Regulierung wurden immer lauter. Die im Konvent dominierenden Girondisten lehnten staatliche Eingriffe in die Wirtschaft ab und machten sich damit bei der hungernden Bevölkerung unbeliebt. Dies nutzten die pragmatischeren und machtorientierten Jakobiner, die soziale und politische Gleichheit forderten, und schlossen ein Bündnis mit den Sansculotten. Die Sansculotten waren politisch aktive, kleinbürgerliche Gruppen, zu denen Handwerker, Gesellen, Händler und Gastwirte gehörten. Auch viele Arbeiter und Arbeitslose zählten sich zu den Sansculotten. Durch die Bereitschaft der Jakobiner, wirtschaftliche Eingriffe vorzunehmen, gelang es ihrem Wortführer Robespierre, die Sansculotten gegen die gemäßigten Girondisten zu mobilisieren. Um die Sansculotten für sich zu gewinnen, legte der von den Jakobinern dominierte Nationalkonvent Höchstpreise für Getreide fest und versuchte dadurch gegen den Hunger in der Bevölkerung vorzugehen. Zudem wurde der Kurs für die unter Wertverlust leidenden Assignaten festgelegt. Nachdem die Jakobiner die Unterstützung der Sansculotten sicher hatten, wollte sie ihre Macht weiter ausbauen. Dazu stimmte der Nationalkonvent am 10.03.1793 der Errichtung eines Revolutionstribunals zu, welche Gegner der Revolution verurteilen sollte.
Machtübernahme der Jakobiner
Am 6. April 1793 wurde der Wohlfahrtsausschuss einberufen, der sich um die Umsetzung der Maßnahmen bemühen sollte. Dieser Ausschuss glich einer Art Kriegskabinett, welches in der Folgezeit die Regierungsgewalt übernahm. Da die Jakobiner die Macht von den Girondisten vollständig übernehmen wollten, setzten sie auf den Druck von der Straße. Am 2. Juni 1793 löste Robespierre den Aufstand der Sansculotten aus. Über 80 000 Menschen mit 150 Kanonen belagerten den Nationalkonvent und erzwangen die Auslieferung der führenden Girondisten, denen eine Politik gegen die Interessen der Hauptstadt Paris vorgeworfen wurde. Nachdem circa 30 Girondisten hingerichtet wurden, war das Ende der gemäßigten Republikaner im Nationalkonvent besiegelt.
Bündnis Jakobiner und Sansculotten
Robespierres Jakobiner herrschten fast uneingeschränkt und bildeten eine aus parteitreuen Mitgliedern bestehende Revolutionsregierung. Diese Regierung wurde ergänzt durch ein „Großes Komitee“ und ein „Komitee der Nationalen Sicherheit“, die jeweils aus 12 Mitgliedern bestanden. Da Wahlen in Frankreich ausgesetzt wurden, herrschte eine Kriegsdiktatur, die sich allerdings auf die Unterstützung eines Großteils des Volkes berufen konnte. Besonders die Sansculotten radikalisierten die Revolution weiter, da sie Schuldige für ihre Armut und die Nahrungsmittelkrise suchten. Darin identifizierten sie vor allem Großhändler, Unternehmer und Revolutionsgegner, gegen die sie ihren Zorn entluden. Um ihre Lage zu verbessern, strebten die Sansculotten nach wirtschaftlicher Gleichheit der Menschen im Staat und der Herrschaftsausübung des Volkes. Da die Jakobiner auf die Hilfe und Unterstützung der Sansculotten angewiesen waren, folgten im Sommer 1793 große Zugeständnisse an diese. Dazu gehörten die vollständige, entschädigungslose Abschaffung der Feudalrechte am 17.07.1793 und die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht am 23.08.1793. Unverheiratete Männer zwischen 18 und 25 Jahren wurden unabhängig von Stand und Besitz in die Revolutionsarmee eingezogen, sodass das französische Heer auf eine halbe Million Soldaten wuchs. Dies führte in der Folgezeit zu beachtlichen außenpolitischen Erfolgen in der militärischen Auseinandersetzung mit den Kriegsgegnern.
Schreckensherrschaft der Jakobiner
Auch innenpolitisch sollten die Unruhen befriedet werden, wobei die Jakobiner mit enormer Brutalität voranschritten. Nach Demonstrationen der Pariser Volksbewegung stimmte der Konvent am 17.09.1793 dem geforderten „Gesetz über die Verdächtigen“ zu. Dadurch wurden systematische Terrormaßnahmen möglich, was den Beginn des „Terreur“, der sogenannten Schreckensherrschaft, markierte. Terror als zulässiges Regierungsmittel sollte den französischen Bürgerkrieg beenden. In der französischen Bevölkerung wurde die gegenseitige Bespitzlung verbreitet, die mit willkürlichen Verhaftungen zusammenkam, sodass niemand mehr vor der Hinrichtung sicher war. Fast 40 000 Menschen, vor allem Vertreter des Adels und der alten Ordnung, fielen der Guillotine zum Opfer. Die Guillotine war ein hohes Holzgestell mit einem herabfallenden, schrägen Stahlmesser, welche als Hinrichtungsinstrument eingesetzt wurde. Neben dem Revolutionsgegnern wurden auch Revolutionsanhänger wie die Girondisten, sodass der Spruch „die Revolution frisst ihre eigenen Kinder“ geprägt wurde. Das bedeutet, dass die ursprünglichen Kräfte der Revolution getötet werden. Doch der Terror spaltete die Jakobiner. Neben den Anhängern Robespierres bildeten sich die linken Herbertisten um Jaques Hebert und die gemäßigten Jakobiner um Danton heraus. Am 13.03.1794 erreichte Robespierre mithilfe Dantons die Verhaftung und Hinrichtung führender Hebertisten. Nur wenige Tage später wurde auch Danton hingerichtet, da er sich öffentlich gegen den Terror als Mittel ausspricht und Frieden mit den ausländischen Mächten schließen möchte. Dadurch hatte Robespierre seine letzten Gegner entmachtet und herrschte in einem beispiellosen Grande Terreur.
Ende der Terrorherrschaft
Durch ein neues Terrorgesetz am 10.06.1793 können auch Mitglieder des Konvents ohne Zustimmung der Konvents-Mehrheit dem Revolutionstribunal ausgeliefert werden. Nun wandten sich selbst die Sansculotten, die früher den Terror als Mittel zur Verteidigung der Revolution bejaht hatten, entsetzt ab. Da Robespierre nun eine Sicherheitsgefahr darstellte, verschworen sich Mitglieder des Nationalkonvents, des Wohlfahrts- und Sicherheitsausschusses sowie des Militärs gegen Robespierre. Am 27.07.1794 wurde Robespierre gestürzt und mit seinen engsten Verbündeten am Folgetag hingerichtet. Die Diktatur des Terrors war zu Ende. Es folgte eine Herrschaft des Bildungsbürgertums, die als Direktoriumsregierung der Thermidorianer in die Geschichte einging. Doch die Herrschaft war instabil und die Regierungen wechselten häufig. Wie Napoleon als Retter in diesem Machtvakuum auftrat, erfahrt ihr im nächsten Kapitel.
Zusammenfassung
Nach der Abschaffung des Königtums 1792 geriet die junge Französische Republik durch Kriege, wirtschaftliche Probleme und große Unzufriedenheit in der Bevölkerung in eine schwere Krise. Die Jakobiner um Robespierre nutzten die Unterstützung der Sansculotten, setzten ihre Gegner im Nationalkonvent ab und errichteten eine diktatorische Herrschaft mit Terrorgesetzen und dem Revolutionstribunal. Der Terror wurde immer extremer, traf schließlich auch frühere Revolutionäre und endete 1794 mit der Absetzung und Hinrichtung Robespierres.


Exekution durch die Guillotine


Maximilien de Robespierre








500+ Videos
Logische Zusammenhänge statt trockener Jahreszahlen
Exakt der Stoff, der in Klausuren zählt
In wenigen Minuten perfekt für den nächsten Unterricht vorbereitet
Unser Lernheft
Von Experten erstellt
QR-Codes zu Lernvideos
Prüfungsaufgaben wie im Abitur
Zusammenfassungen für maximal effizientes Lernen
Für deinen Lern-Boost in Geschichte
WERBUNG
Kontakt
einfachschulenachhilfe@gmail.de
© 2026. All rights reserved.


